Wie berechnet man das Existenzminimum?

Den Begriff „Existenzminimum“ hört man häufig. Wer unter dem Existenzminimum lebt, der gilt als arm. Wessen Einkommen nicht ausreicht, um das Existenzminimum zu decken, hat  Anrecht auf Sozialhilfe. Bei der Pfändung darf nur so viel gepfändet werden, dass dem Gepfändeten ein Existenzminimum verbleibt. Wie aber berechnet sich das Existenzminimum?

Das betreibungsrechtliche Existenzminimum:

Nicht ganz unerwartet, wird das Existenzminimum von Kanton zu Kanton anders definiert. Ebenso kommt es auf die Lebensumstände der jeweiligen Einzelperson oder Familie an.

Im Kanton Zürich gelten zurzeit gemäss „Kreisschreiben der Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich an die Bezirksgerichte und Konkursämter“ folgende Richtlinien:

Zuerst wird der monatliche Grundbetrag berechnet.

CHF

Für alleinstehende Schuldner
In Haushaltgemeinschaft mit erwachsener Person

1100

Ohne solche Haushaltgemeinschaft

1200

Für alleinerziehende Schuldner:
In Haushaltgemeinschaft mit erwachsener Person

1250

Ohne solche Haushaltgemeinschaft

1350

Für ein Ehepaar, zwei in eingetragener Partnerschaft lebende Personen   oder ein Paar mit Kindern, die in Haushaltgemeinschaft leben

1700

Für jedes Kind, die im gemeinsamen Haushalt des Schuldners leben
Im Alter bis zu 10 Jahren

400

Im Alter über 10 bis zu 18 Jahren(bzw. bis zum Abschluss der Erstausbildung)

600

Zum Grundbetrag werden folgende Zuschläge hinzugerechnet:

  • Wohnungskosten oder Kosten für die Liegenschaft (z.B. Hypothekarzins, nicht aber Amortisationszahlungen)
  • Sozialbeiträge und Versicherungen (z.B. Krankenkasse)
  • Unumgängliche Berufsauslagen (Z.B. Fahrkosten, auswärtige Verpflegung)
  • Unterstützungs- und Unterhaltsbeiträge
  • Verschiedenes (Z.B. Schulung der Kinder, erhöhte Arztkosten)

Die Details  zu den Zuschlägen können Sie im oben erwähnten Kreisschreiben nachlesen: http://www.betreibungsinspektorat-zh.ch/deu/documents/KS-EM-09-EM2009-A4.pdf

Berechnen Sie Ihr Existenzminimum!

In den Medien hört man immer wieder, dass in der Schweiz viele Familien mit Kindern oder Alleinerziehende nahe der Armutsgrenze oder gar unter dem Existenzminimum leben. Prüfen Sie nach, ob das auch auf Sie zutrifft. Ihr persönliches Existenzminimum können Sie z.B. auf der Schuldenberatungswebsite der Caritas berechnen.

http://www.caritas-schuldenberatung.ch/tools/existenz/index.php?lang=de

Bilden Sie sich danach ein Urteil darüber, ob dies auch auf Ihre Familie zutrifft oder ob Sie aufgrund Ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse nicht eher zum Mittelstand gehören, ohne dass Sie sich dessen bewusst sind.

Was sagt die Statistik?

Gemäss Bundesamtes für Statistik „Armutsquote nach verschiedenen Merkmalen, 2007-2011) trifft ein erhöhtes Armutsrisiko in der Tat auf Einelternfamilien zu, hingegen nicht auf Zweielternfamilien. Zweielternfamilien leben gemäss Statistik viel weniger häufig unter der Armutsgrenze als Einzelpersonen.

Unter der Armutsgrenze leben:

% der jeweiligen Gruppe, die unter der Armutsgrenze leben
Im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung

7.6

Haushalte mit Kindern:
Einelternhaushalte mit Kind(ern)

21.9

2 Erwachsene mit 1 Kind

4.9

2 Erwachsene mit 2 Kindern

3.5

2 Erwachsene mit 3 oder mehr Kindern

8.6

Zum Vergleich:
Einzelpersonen unter 65

11.4

Einzelpersonen ab 65

25.7

 

Quelle: http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/20/03/blank/data.html

Tipp:

Nicht alles was in den Medien zu lesen ist, insbesondere im Vorfeld von Abstimmungen, ist richtig. Statistiken werden oft verdreht oder den eigenen Bedürfnissen entsprechend nur auszugsweise wiedergegeben. Konsultieren Sie des Öfteren mal die Webseite des Bundesamtes für Statistik. Hier finden Sie viele neutrale Informationen, aufgrund derer Sie sich ein eigenes Bild machen können.

Gerade wenn es um arm und reich, Einkommen und Vermögen geht, ist der Einfluss der Medien nicht immer ein guter. Geld allein macht keine Lebensqualität aus. Lassen Sie sich durch tägliche Berichterstattungen über Abzocker, Millionäre und Milliardäre, reiche Senioren, in die Armut abgleitende Familien etc. nicht verunsichern. Vergleichen Sie sich lieber mit Personen aus Ihrem Umfeld. Auch wenn man sich nicht jeden Wunsch und jedes materielle Bedürfnis sofort erfüllen kann, so heisst dies noch lange nicht, dass man arm ist.

 

 

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