Wenn Werte schwanken

Bewertungen sind Momentaufnahmen. Werte verändern sich permanent, können steigen, fallen  oder ganz zerfallen. Je nachdem hat dies für den Besitzer eines Gutes eine unterschiedliche Bedeutung.

Realisierte und nicht realisierte Gewinne resp. Verluste

Hat ein Gut beim Kauf resp. Verkauf einen unterschiedlichen Wert (Preis), so erzielt man je nachdem einen Gewinn oder Verlust.

Beispiele

Kaufte ein Schweizer  seinerzeit 1000 Euro zum Kurs von 1.20 und verkauft sie jetzt  zum Kurs von 1.10, so erleidet er einen Kursverlust von CHF 100 CHF.

Oft sind weitere Faktoren bei der Gewinnermittlung zu berücksichtigen. So berechnet sich der Gewinn auf dem Kauf/Verkauf einer Immobilie nicht nur aus dem Kauf- und Verkaufspreis, sondern ist zusätzlich zu berücksichtigen, ob an der Immobilie während der Besitzesdauer wertvermehrende Investitionen getätigt wurden.

Bei den genannten Beispielen wird der Gewinn oder Verlust realisiert, da es zu einem Verkauf kommt.

Ändert sich der Wert eines Gutes, das man nach wie vor besitzt, gegenüber dem Anschaffungswert, so kann man ebenfalls einen Gewinn oder Verlust berechnen, realisiert diesen jedoch nicht. Der momentane Gewinn kann bei einem zukünftigen Wertzerfall wieder dahin schmelzen. Ebenso gut  kann ein Verlust mittelfristig wieder wettgemacht werden, wenn man  nicht gezwungen ist, das Gut vorzeitig zu veräussern.

Risiken von Wertschwankungen

Schwankt der Wert eines Gutes stark und häufig, so spricht man von einer hohen Volatilität. Beispielsweise bei Aktienmärkten.

Die Kurschwankungen  von Aktien oder Devisen bedeuten für den Anleger ein Risiko, bergen aber auch die Chance, entsprechend hohe Kapitalgewinne zu erzielen.

Ob man eine Anlage mit hoher Volatilität tätigen soll, hängt einerseits von den Vermögen- und Einkommensverhältnissen, anderseits aber auch von Nervenkostüm des Anlegers ab. Wer bei jeder Kurschwankung nach unten in Panik gerät, ist hier am falschen Ort.

Auch die Werte von Immobilien schwanken.  Die durchschnittliche Schweizer Familie kauft ihr Eigenheim wohl in erster Linie, weil sie sich mit den eigenen vier Wänden einen Traum verwirklichen und so wohnen will, wie es den eigenen Vorstellungen entspricht. Der Anlagecharakter ist eher sekundär,  gewinnt erst im Alter an Bedeutung. Solange die selbstbewohnte Immobilie nicht zu hoch belehnt ist,  spielen Wertschwankungen daher in der Zeit, in welcher ein Verkauf keine Option ist, eine eher untergeordnete Rolle. Die Wohnqualität ändert sich nicht, wenn der Wert aus konjunkturellen Gründen zu oder abnimmt.

Problematisch kann es jedoch werden, wenn die Immobilienpreise sinken und die Immobilie schon vorher hoch belastet ist. Dann wird sich die Bank beim Besitzer melden und Amortisationen oder zusätzliche Sicherheiten verlangen.

Zur Zeit geht die Tendenz in unserm Lande nach strengeren Vorschriften bei der Vergabe von Hypotheken, um diesen Risiken vorzubeugen. Die Immobilienbesitzer haben dafür eher wenig Verständnis, in Anbetracht von oftmals rasanten wirtschaftlichen Veränderungen ist dies gemäss meiner Auffassung jedoch richtig.

Steuerfolgen von Wertschwankungen

Mit Ausnahme der Grundstückgewinnsteuer müssen Privatpersonen in der Schweiz im Normalfall weder realisierte noch nicht realisierte Kapitalgewinne versteuern.

Anders sieht es aus, wenn eine Buchhaltung geführt wird. Muss ein Wert nach den Regeln der Rechnungslegung in der Bilanz angepasst werden, so bedeutet dies in der Erfolgsrechnung einen entsprechenden Gewinn oder Verlust, auch wenn dieser nicht realisiert wurde. Juristische Personen versteuern somit Kursgewinne, können aber im Gegensatz zu den Privatpersonen auch die Kursverluste absetzen.