Geplante Begrenzung des Bezugs von Sparkapitalien aus der Beruflichen Vorsorge (BVG)

Der Bundesrat plant, die Bezüge aus der Beruflichen Vorsorge zu begrenzen. Heute können die Alterssparkapitalien vorbezogen werden, wenn sie für den Kauf eines Eigenheims verwendet werden. Ebenso ist es möglich, die Sparkapitalien für den Aufbau einer selbständigen Erwerbstätigkeit zu beziehen. Zukünftig sollen nur noch überobligatorische Sparkapitalien bezogen werden können.

Die Mitteilung ging diese Woche durch alle Medien und hat vielerorts für Entrüstung gesorgt.

Insbesondere bei den Interessenvertretern der Haus- und Wohnungseigentümer. Der Eigenheimerwerb werde damit massiv erschwert. Er sei für junge Familien ohne die Möglichkeit der Bezüge aus dem BVG vielfach nicht mehr möglich  – wobei ich mich frage, ob die Argumentation  richtig ist? Junge Erwerbstätige haben eher tiefe Einsteigerlöhne. Zudem setzt sich die Prämie für die Berufliche Vorsorge aus einem Risiko und eine Sparteil zusammen. Der Sparteil steigt mit zunehmendem Alter. Junge Erwachsene verfügen deshalb im Regelfall gar nicht über hohe BVG-Sparkapitalien, die sie beziehen könnten. Die Beschränkung des Bezugs betrifft deshalb, sollte er tatsächlich kommen, eher Eigenheimerwerber mittleren und fortgeschrittenen Alters.

Bezug von BVG Sparkapitalien für den Aufbau einer selbständigen Ewerbstätigkeit

Der Bundesrat argumentiert unter anderem damit, dass der vorzeitige Bezug von Sparkapitalien dazu führe, dass vermehrt Ergänzungsleistungen zur AHV bezahlt werden müssten.

Bei Vorbezügen für den Aufbau einer selbständigen Erwerbstätigkeit kann ich dies nachvollziehen. Im Falle einer erfolglosen Geschäftstätigkeit (bei weitem nicht jeder Start ins Unternehmertum glückt!) sind die Sparkapitalien verloren. Anderseits steht, wer im Alter von 50 Jahren die Stelle verliert, oftmals vor der Wahl, Arbeitslosengeld zu beziehen oder den Versuch zu wagen, im fortgeschritten Alten selbständiger Unternehmer zu werden. Wählt er erstere Möglichkeit, so kostet dies ebenfalls. Aus meiner Sicht spielt es volkswirtschaftlich letztendlich keine Rolle, ob die Unterstützung aus der Arbeitslosenkasse im erwerbsfähigen Alter oder aus der AHV im Pensionsalter kommt.

Bezug von BVG Sparkapitalien für den Kauf eines Eigenheims

Hinsichtlich des Bezugs für den Eigenheimerwerb möchte ich folgende Überlegung in die Diskussionsrunde werfen.

Die Mieten in der Schweiz sind hoch. Im Mietzins enthalten ist auch die Rendite des Vermieters. Fremdkapitalzins und Unterhalt fallen zwar auch beim Eigenheim an, jedoch verdient niemand zusätzlich an der Liegenschaft. Theoretisch sollte es also einem Liegenschaftenbesitzer möglich sein, durch die tieferen Wohnkosten zu sparen. Dies kann entweder durch die Amortisation von Hypotheken, oder durch „gewöhnliches Sparen“ erfolgen.

Wird das Eigenheim vor der Pensionierung verkauft, so müssen die freiwerdenden BVG Gelder in die Pensionskasse zurückgeführt werden. Ein Verlust der Gelder droht hier also im Gegensatz zur selbständigen Erwerbstätigkeit nicht.

Es wäre interessant zu wissen, ob die Argumentation des Bundesrates, dass die Vorbezüge zu vermehrten Bezügen von Ergänzungsleistungen zur AHV führten, statistisch belegt ist. Besteht tatsächlich eine Korrelation oder werden nur generell mehr Ergänzungsleistungen ausbezahlt?

Rechnerisch ist die Sache mit der Ergänzungsleistung eher schwer nachvollziehbar.

Beispiel

Ein Rentnerehepaar besitzt ein Eigenheim im Wert von  1 Mio. CHF. Die Liegenschaft ist mit einer Hypothek von CHF 650‘000 belastet. Zur Finanzierung hat der Ehemann im Alter von 40 Jahren CHF 150‘000 aus dem BVG vorbezogen. Die 2 Hypothek von CHF 100‘000 wurde vollständig amortisiert.

 

CHF

Wert der Liegenschaft

1‘000‘000

./. Hypothekarschuld

- 650‘000

Vermögen netto

300‘000

Davon aus BVG

150‘000

Davon Amortisation

100‘000

Davon Wertsteigerung

100‘000

 

Nimmt man an, dass das BVG Kapital mit 2% pro Jahr verzinst worden wäre, so wären bis zur Pensionierung CHF 246‘000 daraus geworden. Bei einem Umwandlungssatz von gegenwärtig 6.8% ergibt dies eine jährliche Rente von CHF 16‘700.

Bei der Berechnung des Anspruches auf Ergänzungsleistung wird nicht nur das Einkommen, sondern auch das Vermögen des Antragstellers mitberücksichtigt.

Ehepaare haben dabei eine Freibetrag von CHF 60‘000. Liegenschaftenbesitzer zusätzlich nochmals CHF 112‘500. Vom verbleibenden Vermögen wird ein Zehntel als Einkommen aufgerechnet.

 

CHF

Netto Wert Liegenschaft

350‘000

./. Freibetrag Ehepaare

-60‘000

./.Freibetrag bei selbstbewohnter Liegenschaft

-112‘500

Restliches Vermögen

177‘500

Ans Einkommen anzurechnen

17‘750

 

Quelle: http://www.ahv-iv.info/andere/00134/00221/index.html?lang=de

Für die Berechnung des Anspruches auf Ergänzungsleistung würde im 1. Fall, wo kein Bezug aus der Pensionskasse erfolgt ist, die daraus resultierende BVG Rente angerechnet, im zweiten Fall ein theoretischer Wert, der sich aus dem Vermögen berechnet. Für die Beurteilung des Anspruchs auf Ergänzungsleistung besteht in unserem Beispiel praktisch keine Unterscheid, der Bezug des Sparkapitals für den Erwerb des Eigenheims spielt keine Rolle.

Damit will ich nicht behaupten, dass es nicht Konstellationen geben kann, bei welchen die Finanzierung des Eigenheims mit Pensionskassengeldern nicht tatsächlich zum Bezug von Ergänzungsleistungen führen kann.

Ich sehe die Problematik jedoch eher generell und nicht als Folge der Finanzierung. Vermutlich werden bei reduziertem Einkommen im Alter Mieter eher auf kleinere Objekte ausweichen, wohingegen Eigenheimbesitzer im Eigenheim wohnen bleiben, auch wenn dieses die finanziellen Möglichkeiten übersteigt. Sie haben zwar Vermögen, sind aber nicht liquide.

Neue Hypothekenmodelle

Die Problematik haben auch einige Banken erkannt. So bietet beispielsweise die Bank Sparhafen Zürich ein Finanzierung 50+ an. Diese erlaubt eine tiefere Belehnung bis zur Grenze von 65% wieder aufzustocken, um den Lebensunterhalt im Alter zu finanzieren.

 

http://www.sparhafen.ch/cms_public/finanzierung/hypotheken

 

4 Gedanken zu “Geplante Begrenzung des Bezugs von Sparkapitalien aus der Beruflichen Vorsorge (BVG)

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