Die politische Diskussion um die Besteuerung der Kinderzulagen – Argumentation durchleuchtet

Am 8.März 2015 kommt die Volksinitiative der CVP „Familien stärken! Steuerfreie Kinder- und Ausbildungszulagen“ zur Abstimmung. Mit der Steuerbefreiung der Zulagen sollen Familien gestärkt werden. Gegner der Volksinitiative argumentieren unter anderem damit, dass dies vor allem den gutverdienenden Eltern zu Gute kommt und nicht denjenigen, die es nötig hätten.

Worum geht es

Kinder- und Ausbildungszulagen gehören nicht zum AHV-pflichtigen Bruttolohn und sind damit vom der AHV und weiteren Sozialabgaben befreit, jedoch gehören sie zum steuerpflichtigen Erwerbseinkommen. Um die Deklaration in der Steuererklärung müssen Sie sich als steuerpflichtiger nicht explizit kümmern, die Kinder- und Ausbidungszulagen sind, sofern sie Ihnen ausbezahlt wurden, auf dem Lohnausweis unter Ziffer 1 enthalten.

Weshalb profitieren nun Gutverdienende angeblich mehr von einer allfälligen Steuerbefreiung?

Die Argumentation hat mit der Steuerprogression zu tun. Je mehr man verdient, desto mehr Steuern bezahlt man, nicht nur absolut in Franken, sonder auch prozentual, also im Verhältnis zu Einkommen.

Hat ein Ehepaar zum Beispiel zwei kleine Kinder, so bezieht es im Kanton Zürich 2 * 12 * 200 CHF = 4800 CHF Kinderzulage. Müssten diese CHF 4800 nicht mehr besteuert werden,  so fallen, egal wie hoch das übrige Einkommen ist, die „letzten“ CHF 4800 des steuerbaren Einkommens weg. Je mehr man gesamthaft versteuert, desto höher ist der Steuersatz auf diesen „letzten“ CHF 4800. Ein gutverdienendes Ehepaar gibt heute den höheren % Satz an Steuern auf den Kinderzulagen ab als ein weniger gut verdienendes. Umgekehrt  kann man dann sagen, dass das gutverdienende Elternpaar von einer Befreiung mehr profitiert als ein Ehepaar mit tieferem Einkommen.

Zahlenbeispiel für die Bundessteuer

Vergleich (Jahr 2014):

–          Ehepaar mit 2 Kindern, Kinderzulage CHF 4800, steuerbares Einkommen mit Kinderzulage CHF 150‘000

–          Ehepaar mit 2 Kindern, Kinderzulage CHF 4800, steuerbares Einkommen mit Kinderzulage CHF 75‘000

Die steuerbaren Einkommen ohne Kinderzulagen betragen CHF 145‘200 resp. CHF 70‘200.

Steuerbares Einkommen

CHF   150000

CHF   145200

CHF   75000

CHF   70200

Steuersatz

4.041%

3.745%

1.165%

1.039%

Direkte Bundessteuer

CHF   6062

CHF   5438

CHF   874

CHF   730

Ermässigung für Kinder im   gleichen Haushalt

CHF – 502

CHF   -502

CHF   -502

CHF   -502

Geschuldete Steuer

CHF   5560

CHF   4936

CHF   372

CHF   228

Steuerersparnis in CHF

CHF   624

CHF   144

Steuerersparnis in % der vom   Einkommen

0.43%

0.20%

Steuerersparnis in % der vormals  geschuldeten Steuer

11.22%

38.71%

Das Ehepaar, das mit CHF 150‘000 doppelt so viel Einkommen versteuert wie dasjenige mit CHF 75‘000, würde aufgrund der Steuerprogression bei der Direkten Bundessteuer CHF 624, das weniger gut verdienende Ehepaar CHF 144 weniger bezahlen. In % vom Einkommen profitiert das gutverdienende Ehepaar mehr, in % der geschuldeten Steuer jedoch das weniger gut verdienende Ehepaar.

Das Beispiel zeigt, dass alles eine Frage des Blickwinkels ist. Absolut in Franken profitiert Ehepaar 1 mehr, relativ in % profitiert Ehepaar 2 mehr.

Politiker argumentieren selten mit Rechenbeispielen, sondern viel mit Schlagworten und Parolen. Gerade wenn es um Steuern geht, lohnt es sich, die diskutierten Konsequenzen jeweils zu hinterfragen und vielleicht anhand einiger Beispiele durchzurechnen.

Persönlich bin ich der Ansicht, dass man, will man Familien steuerlich entlasten, gerade so gut den Kinderabzug erhöhen kann, statt Kinder- und Ausbildungszulagen von der Steuer zu befreien. Mit dem Kinderabzug steht ja bereits ein Instrument zur Verfügung, das ebenfalls für alle Eltern gleich angewandt wird, egal ob sie gut oder schlecht verdienen. In der jetzt laufenden politischen Diskussion werden zwei Themen vermischt, nämlich die Entlastung von Eltern und die Entlastung tiefer Einkommen. Entsprechend kontrovers ist die Diskussion.